Bill, Monica, Saddam: Ein Trio Infernal

für beste Primetime-Quoten





Eine Streitschrift des Neuköllner Provokateurs (19.12.1998)

 

Award für das Trio Infernal: Die Schöne, die Bestie und der aufrechte Held sind in aller Munde.

Die Tomahawk-Raketen auf Bagdad leuchteten zur besten Sendezeit eine neue Ära der globalen Demokratie ein.

Verfolgt von den puritanischen Schergen erkennt Bill Clinton, daß ein Mann tun muß, was ein Mann tun muß, dreht sich noch einmal nach Monica um, nimmt seinen Hut vom Nagel, spricht Mundharmonikas unsterbliches "Irgendwo wartet immer jemand", schreitet dann hinaus, dem Schurken Saddam unerschrocken die Stirn zu bieten und Hillary zu retten.

Vorbei die kleingeistige Zeit, in der das Private privat, das Politische politisch und beides möglichst geheim war! Alles hat sich vor den Augen des wachsamen Publikums abzuspielen, das am Kiosk, per Fernbedienung oder mouseclick  über den Erfolg der Show entscheidet.

Da erkennt auch der verklemmteste Moralapostel: Das gesellschaftliche Sein stützt sich auf die Säulen von sex and crime.

Aber war unsere Wahl wirklich frei? Hatten Monica mit Zigarre im Internet und Saddam mit Tomahawk live bei CNN wirklich gleiche Quoten-Chancen? Und hätten wir es nicht umgekehrt lieber gesehen? 

Darum fordert der Neuköllner Provokateur: TV-Kameras in jeden Winkel, jede Spalte des Weißen Hauses und wo auch sonst immer über das Abendprogramm bestimmt wird!

Ins Netz gestellt: 19.12.1998